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Sonntag, 18. Mai 2014

Im sozialen Netzwerk nichts Neues

Von unserem Redaktionsmitglied
Dominik Lange

Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter nehmen im Privatleben eine immer größere Rolle ein. Auch die Parteien haben dies erkannt und nutzen diese Plattformen, um für sich zu werben. Wie aktiv sich die Ahlener hier betätigen (und welches Echo sie bekommen), damit befasst sich der „AT“-Blog.

CDU



Die Christdemokraten gibt es bei Facebook nicht als Gruppe oder Organisation, sondern als normales Mitglied, das der Nutzer des sozialen Netzwerks in seine Freundesliste aufnehmen kann. Dennoch sind die Meldungen öffentlich. In ihrem Banner stellt sich die CDU als Gegner der Gewerbesteuererhöhung dar. Ansonsten gibt es hier viele aktuelle Informationen: Bildergalerien von Podiumsdiskussionen und Wahlständen. Zudem werden die Ratskandidaten mit Bild und einer zentralen Aussage porträtiert. Alles in allem versteht der Betreuer dieses Profils sein Handwerk und straft Angela Merkels Aussage, das Internet sei Neuland, Lügen. Die Resonanz ist trotzdem eher dürftig: Kommentare zu den Beiträgen halten sich in Grenzen.

SPD



Die SPD findet sich als politische Organisation bei Facebook wieder und hat 131 „Gefällt mir“-Klicks. Dabei ist der Auftritt nicht einzig für die Kommunalwahl angelegt, sondern schon seit 2011 online. Vereinzelte Bildergalerien – etwa von der Oldie-Night – sind dort ebenso zu finden wie Veranstaltungshinweise. Das Titelbild zeigt rote Ballons mit dem Slogan „Ich will frischen Wind“. Eher windstill ist auch hier die Kommunikation: Fragen an die spärlich vertretenen Anhänger verlaufen im Nichts. Gehaltvoll sind diese ohnehin nicht, beziehen sie sich allenfalls auf die Teilnahme an Veranstaltungen und nicht auf politische Themen. Der einzige Facebook-Nutzer, der hin und wieder als Gast etwas auf dieser Seite postet, ist übrigens die SPD-Stadtverbandsvorsitzende Gabi Duhme.

FDP



Einer Presseschau gleicht das Profil der FDP Ahlen. Und – siehe da – sogar der „AT“-Blog findet Beachtung: Eric Fellmanns Plakat und die „AT“-Sicht der Dinge sind per Screenshot abgebildet. Während anderweitig ein Stürmchen der Entrüstung aufbrandete, nehmen die Ahlener Liberalen den Beitrag scheinbar mit Humor. Zumindest verkneifen sie sich Kommentare. Vielmehr gibt es sogar Saures von der FDP Oelde: „Ich teile die Kritik an den nichts sagenden Plakaten (aller Parteien). Wir haben uns daher dazu entschieden, Inhalte zu vermitteln.“ Was Eric Fellmann dazu denkt, davon erfährt der Besucher nichts. In der Kategorie „Gefällt mir“ hat die FDP die Nase mit 175 Sympathisanten vorn.

FWG



Junge Leute bei der FWG und 286 „Gefällt mir“-Klicks. Spitzenreiter. Aber nichts zu politischen Inhalten. Dafür Werbung für Abi-Partys und Tipps für die richtige Vorbereitung auf Klassenarbeiten...? Kurz genau hingeschaut: Die Freie Wähler Gemeinschaft ist nicht bei Facebook unterwegs. Hinter der Abkürzung FWG steckt vielmehr die Schülervertretung der Fritz-Winter-Gesamtschule. Herr Blogger, setzen, Sechs!



Absolute Netzwerkmuffel sind die Ahlener Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen, BMA und Die Linke. Und mit Twitter haben die Parteien auch nichts am Hut. Obwohl – mit einem eigenen Account ist Die Linke vertreten. Tweets: 0. Follower: 16. Zu vermissen scheint es keiner.

Freitag, 16. Mai 2014

Nicht besser, nur anders?


Von unserem Redaktionsmitglied
Maria Kessing


Kaum verschreibt der Augenarzt die erste Gleitsichtbrille, erscheint die Vergangenheit in neuem Glanz. Ab einem bestimmten Alter scheint man sich fast einig zu sein: Früher war alles besser. Stimmt das wirklich?
Auch ich  habe mich in dieser Woche wieder einmal bei diesem Gedanken ertappt. Und das kam so.
In einem alten vergilbten Zeitungsband von 1992 wälzte ich nach den Artikeln über den Wechsel an der Spitze der SPD-Fraktion vor 22 Jahren, als Norbert Bing zum Nachfolger von Georg Schmiele gewählt wurde.


Norbert Bing hat ja recht: Damals genügte es, wenn sich die Altvorderen im Stadtrat mit Blicken verständigten, weil eine Sache festgefahren war. Man zog sich in ein stilles Kämmerlein zurück und suchte  nach einem Kompromiss. Und oft fand man auch einen Konsens. Zwei, die diese hohe Kunst der Kommunalpolitik verinnerlicht hatten, sind zweifelsohne Herbert Faust (CDU) und Georg Schmiele (SPD) gewesen.  Zwei Männer, die sich mit großem gegenseitigen Respekt begegnet sind  - und das immer zum Wohle der Stadt Ahlen. Dabei hat das förmliche "Sie" statt des heute verbreiteten vertraulichen Du nie eine produktive Zusammenarbeit erschwert.


Heutzutage im Zeitalter des Internets gibt oftmals in regem E-Mail-Verkehr ein Wort das andere, das persönliche Gespräche bleibt  leider auf der Strecke. In der Hektik des politischen Geschäfts  kommen vertrauensbildende Maßnahmen viel zu kurz. Aber liegt das nicht auch an den handelnden Personen?


Als ich mich dann in dieser Woche im Fotoarchiv auf die Suche nach Bildern von Norbert Bing machte,  begegneten mir auch viele andere Ratspolitiker, von denen viele nicht mehr leben.
Zum Beispiel: der immer eine Zigarre rauchende Hans Bücker, seines Zeichens CDU-Fraktionschef,  der immer fröhlich-lächelnde Erich Steiner, einstmals stellvertretender Bürgermeister der SPD, der Kulturdezernent Christian Schmidt-Casdorff, der in Ausschuss-Sitzungen gerne  und lange strukturierte, der immer quer-denkende und manchmal auch treibende Ludger Schulte, der die Geduld des Planungsausschuss-Vorsitzenden Herbert Faust auf manch harte Geduldsprobe gestellt hat.


Und nicht zuletzt der "schöne Walter" (Stadtdirektor Dr. Priesnitz),  auf  einem Foto vor dem Ratssaal mit einem Sack Kartoffeln, um den er mit DKP-Chef Erhard Witulski gewettet hatte.
Dem Alt-Kommunisten ginge heute wie damals wahrscheinlich das Klappmesser in der Hosentasche auf, wenn er auf eine Stufe mit dem von der CDU propagierten "Linksbündnis",  das den Haushalt verabschiedet hat, gestellt worden wäre. Denn unter "Links" hat Witulski etwas ganz anderes verstanden -  auf keinen Fall eine Verbrüderung zwischen SPD, Grünen, Linken, Bürgerlicher Mitte und Freien Wählern. So ändern sich halt die Zeiten.


Bin ich auch so eine Nostalgikerin, wie eine Kollegin meinte,  weil ich mit verträumten Blicken die alten Fotos betrachte. Vorbei die gute alte Zeit?
Ja, manches war früher sicher besser - und anders.  


Den klügsten Satz dazu hat der große Philosoph Karl Valentin gesagt:  Und heute ist die gute, alte Zeit von morgen."

Donnerstag, 15. Mai 2014

Miteinander der Kulturen gestalten

Von unserer Mitarbeiterin
LISA VOSS-LOERMANN

Sie werfen ihre gesamte Kompetenz in die Waagschale: Wenn am 25. Mai neben Kommunal- und Europawahlen auch der Integrationsrat gewählt wird, stellen sich Canan Cihangir, Ümmü Bulut, Naime Aksit und Rocio Siekaup mit ihrer Frauenliste zur Wahl.




„Vielfalt für Ahlen“ nennt sich die engagierte Truppe, und in diesem Titel findet sich schon alles, was ihnen am Herzen liegt. „Wir stehen für Verständnis, Toleranz, für Bildung, kurz: Wir wollen ein fruchtbares Miteinander aller Ahlener, unabhängig von Rasse, ethnischer Herkunft oder Religion“, bringt Canan Cihangir es auf den Punkt. Und in einem sind sich die Powerfrauen schon lange einig: Der Schlüssel zur Integration liege bei den Müttern.
Dabei, so Canan, spiele es doch überhaupt keine Rolle, ob eine Frau Kopftuch trage oder nicht: Was sich in ihrem Kopf abspiele, sei das Wesentliche. Kopftuch tragen die Vier von der Frauenliste alle nicht, obgleich drei von ihnen türkischstämmige Musliminnen sind, die entweder in Ahlen geboren wurden oder im Kleinkindalter mit ihren Eltern in die Wersestadt kamen.
Rocio Siekaup dagegen stammt aus Kolumbien. Seit 14 Jahren lebt sie in Ahlen und findet gerade die kulturellen Unterschiede innerhalb der Ahlener Bevölkerung spannend. Sie ist genauso wie ihre Mitstreiterinnen dagegen, dass sich Zuwanderer den Deutschen komplett anpassen. „Das Schöne ist doch eigentlich, wenn jeder seine eigene Kultur behält und sie in die Gemeinschaft einbringt“, sagt Rocio. Und das können sie alle Vier unterschreiben.
Im Integrationsrat wollen sie ihre Frauenliste vertreten sehen, weil sie alle irgendwie begeistert davon sind, sich einzubringen in das Gemeinwesen. Eingeübt haben sie das schon in verschiedenen Projekten bei der Stadt Ahlen. „Wir kommen eigentlich alle von Ulla Woltering“, scherzen sie, weil sie bei der früheren Sozialplanerin angefangen haben, berufliche Verantwortung zu übernehmen.
Natürlich ist es ein Ziel der Frauen, dafür zu sorgen, dass die Kinder der Zuwanderer gut deutsch sprechen, denn sie sollen alle etwas lernen und später eine gute Arbeit finden. „Bildung ist das A und O“, sagt Rocio Siekaup und vermisst das fehlende Allgemeinwissen auch bei vielen Deutschen.
„Als unsere Eltern nach Deutschland gekommen sind, da hat sich niemand um sie gekümmert. Es gab keine Sprachkurse oder ähnliches“, sagt Canan Cihangir. Deshalb könne man es den Zuwanderern jener Generation auch nicht verübeln, dass sie die Sprache nicht beherrsche.

Mittwoch, 14. Mai 2014

Lokal-o-Mat: Mehr offene Fragen als Antworten?




Von unserem Redaktionsmitglied
DETLEF PETER JOTZEIT

Am 5. Mai  ist der Lokal-o-Mat zur Kommunalwahl in Ahlen freigeschaltet worden. Das Angebot soll dazu dienen, sich über kommunalpolitische Themen zu informieren und die eigenen Positionen mit denen der antretenden Parteien und Wählervereinigungen in Ahlen zu vergleichen. Den Nutzern werden 30 Thesen zu unterschiedlichen Themenfeldern, entwickelt von  einer Jugendredaktion (Schüler des Gymnasiums St. Michael und der Fritz-Winter-Gesamtschule), vorgestellt. Die Spannbreite reicht von der Sanierung des Rathauses, der Aufhebung des generellen Leinenzwangs für Hunde im Stadtgebiet über die Sanierung und Freigabe der Wersebrücke am Krankenhaus für den Autoverkehr bis hin zu der These „Die Stadt Ahlen soll sich für einen gesetzlichen muslimischen Feiertag einsetzen“.

Bislang wurde der Lokal-o-Mat von mehr als 2300 Menschen gespielt. Bezogen auf etwa 40000 Wahlberechtigte ist das eine offizielle Nutzungsquote von 5,8 Prozent. Zum Vergleich: Bei der letzten Landtagswahl in NRW im Jahr 2012 lag die Nutzungsquote des Wahl-o-Maten über die gesamte Laufzeit bei 9,5 Prozent, bei der Landtagswahl in Niedersachsen 2013 bei 9,8 Prozent.

Haben Sie sich auch schon beteiligt an der Aktion? Wenn ja, reichen Ihnen die 30 Thesen aus, oder fehlen wichtige Punkte. Beispielsweise sind Positionen zur Umbenennung von Straßen, deren Namensgeber eine Nähe zum Nationalsozialismus nachgesagt wird, sowie die Sanierung des Schullandheims in Winterberg - beides Themen, die über Monate die Gemüter erhitzt haben - nicht aufgeführt. Sagen Sie uns Ihre Meinung. 

http://www.lokal-o-mat.de